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Perlen ab 5. Jh. n. Chr.:

Skandinavien

Mitteleuropa

Osteuropa bis Russland

1.200, Nienover

1.300, Schleswig

1577, Berlin

1600 - 1700, Finnland

1600 - 1840, Schottland

Osteuropa bis Russland:

Awaren*

Magyaren*

Slawen*

Kiewer Rus

Ladoga, Staraya

Ladogagebiet

Rus "im Norden" Russlands

Gnedzdovo

Novgorod

Shitovichi

Beloozero

Krutik bei Pskov

die Krim & der Kaukasus

"Fundort-Sammlung" Rus

Truso, Polen

Kaup bei Mochove

Technik: gefaltete Perlen

Obereer Viliya Region

Rus-Slawen, Ost-Slawen

Khodosivka-Roslavske, Ukraine

Allgemein:

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Das auf die Mitte des 8. Jh. bis in die erste Hälfte oder Mitte des 9. Jhs. awarische Körpergräberfeld umfasst 199 Bestattungen in 188 Gräbern.

Zu den Funden
... scheint mir nun doch unumgänglich das folgende Thema zu vermeiden:

Kopfschmuckringe / Schläfenringe

Schläfenringe, verschiedene Formen

Schläfenringe der Gräbe 7, 198

Pottenbrunn, Awaren

Hier der Unterschied:
„Die als Schläfenringe bezeichneten Kopfschmuckringe wurden reihenförmig (vgl. Grab 198) oder anders angeordnet (vgl. Grab 7) auf ein Band oder eine Haube genäht. Diese Tragweise wird ab dem 9. Jh. als „typisch slawisch“ angesehen, während das Tragen im Ohr als westliche Sitte gilt(88). Bei einfachen Kopfschmuckringen wurde auch die Verwendung als Haarschmuck vorgeschlagen. Diese wurden als Lockenringe ins Haar gesteckt(89).
88) Brather 2001, 281-284
89) Szöke 1992, 845“
(Petschko, S. 21)

Aus 60 Gräbern wurden insgesamt 129 Kopfschmuckringe geborgen. Davon Kopfschmuckringe mit Glasperlenanhänger in den Bestattungen 139 (Taf. 31) und 185 (Taf. 41).

I. Petscho schreibt, das Kopfschmuckringe mit Glasperlenanhängern als typisch awarisch gelten.
Nun gibt es im Grab 139 noch drei weitere Kopfschmuckringe, es lagen je zwei rechts bzw. links vom Kopf. Waren das nun Ohr-/Haaringe oder westslawische Schläfenringe mit einem awarischen Kopfschmuckring mit einer Glasperle – Und ist das überhaupt wichtig?

Es ist ja ein karolingisch-zeitlicher Bestattungsplatz, und die wäre nicht der erste bei dem sich awarische und slawische Trachtsitten vermengen.

Ketten / Colliers

Glasperlen wurden in 51 Gräbern angetroffen.
- 29 Gräber hatten weniger wie 10 Perlen
- 15 Gräbern führten zwischen 10 und 35 Perlen
- zwei zwischen 40 und 60 Perlen.

Die Bestattungen 31, 42 und 195 fallen durch ihre sehr umfangreichen Perleninventare aus der Statistik (mehr als hundert Perlen; 121, 301, 106 Ex.).

Bis auf bei den Bestattungen 31, 41a, 41b und 93 wurden sie in der Halsregion angetroffen.
Grab 131 war eine Kinderbestattung; 121 kleine Einzelperlen aus blauem Glas, die über die ganze Bestattung verstreut lagen
Grab 41a & 41b waren mit anderen Besttungen überlagert bzw. die Perlen in der Schüttung;
Grab 93, Eine große walzenförmige Perle aus schwarzem Glas mit in der Mitte umflaufenden Zacken und einer seitlich spiralig umlaufenden Verzierung aus aufgelegten gelben Glasfäden. Die Perle lag über dem Kopf des hierbestateten Mannes. Ich merke dann mal an, das es sich um ein Altstück aus der Römischen Kaiserzeit handelt. Perlen vom gleichen Typus sind zur Wikingerzeit z.B: » Skateberg, Vestfold .

Die Glasperlen wurden einreihig getragen, Ausnahmen sind nur Grab 42 und 117.

eine sehr lange Glasperlenkette mit blauen Perlen

Glasperlen Grab 42, Pottenbrunn

Awaren, Slawen Karolingisch

Grab 117

verschiedene Glasperlen

Pottenbrunn, Awaren

(Glasperlen; Slawen, Karolinger)

Bei den Gräbern 29, 35 und 195 ist dies möglich, aber nicht gesichert.
Es kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob es sich dabei um zwei separate Ketten
handelt oder ob der zweite Strang an der Hauptkette befestigt war. Eine andere Möglichkeit
wäre das mehrfache Schlingen der Perlschnur um den Hals. (Petschko, S. 60)

Hier geht es zu den Möglichkeiten, die es an anderen Orten gab bzw. freien Interpretationen aufgrund des archäologischen Fundgutes-

Das Lebensalter und die Anzahl der Perlen

Infans I sind in 15 Gräbern mit weniger als zehn Perlen, dies sind die Hälfte der 29 Gräber mit weniger als zehn Perlen, vertreten.

Die Disseration gibt sich weiter diesen Zahlen basierten Schlussfolgerungen hin, das mehr mature Frauen xmal häufiger umfangreichere Perlenketten hatten wie Infans, sowie der Aussage „Einige Kinder unter sieben Jahren scheinen also schon kleine Ketten getragen zu haben oder sie wurden symbolisch mitgegeben.“ (Petschko, S. 61)

M.E sind die Fakten klar, es sollte wohl heissen: Kinder unter sieben Jahren HABEN….

Wieso die Ketten kleiner waren, weiß keiner. Jegliche Theorien fallen hier in das Reich der Sagen- und Mythen. Fakt ist, das mature Frauen längere Perlenketten hatte, senile Frauen auf diesem Bestattungsplatz hingegen wieder kaum oder mehrheitlich keine. Das Wieso kann aufgrund der erhobenen Daten nicht ermittelt werden.

Farben und Formen

Die Farbdominanz ist alleine schon bei der Betrachtung, der Sichtung der erhobenen Daten und durch Übung von mir („ich (also: ich) kenne da Arbeiten anderer Autoren über zeitgleiche awarisch/slawische Gräberfelder“), zu erkennen:
blau
gefolgt von folierten Perlen.

Kombiniert werden diese Perlen mit gelben (dominant), weißen und grünen Perlen.
Einfache und Mehrfachenperlen bilden den Hauptkorpus

- einfache und Mehrfachenperlen bilden den Hauptkorpus
- nur 9 Ketten kommen ohne sie aus
- 6 dieser bestehen komplett aus Hohlperlen
- 12 bestehen nur aus einem Perlentyp
- etc.

Die Autorin gibt die verschiedenen Fundkombinationen und Ausnahmefälle detailliert wieder.
Ebenso greift sie thematisch relevante Einzeltypen auf und führt entsprechende Vergleichsfunde und betreffende Literatur an.
Wer sich dafür interessiert, den verweise ich hier an die » Primärquelle (download, Stand 24.04.2020), denn einfach nur das geistige Werk andere zu kopieren ist mir zu frech. Ehre, wem Ehre gebührt.

Fazit

etwa ein dutend verschiedene Glasperlen

Es handelt sich um EINE Melonenperlen

Und nicht einmal ich erkenne diese auf Foto oder Zeichnung der Perlen.

Die wichtigste Aussage von I. Petschko ist „Während sich spätawarische Kopfschmuckringe, Armreifen und Ringe im Gräberfeld finden, gibt es kaum typisch spätawarische Perlen im Gräberfeld, wenn man von wenigen Melonenkern**- und Amphorenperlen absieht. In diesem Gebiet orientierte man sich auf die Perlenmode des Donau- und Ostalpenraumes, die wiederum von den überregionalen Perlenmoden und deren Handelsströmen abhängig ist.

In ihren Kombinationen sind die Perlenketten von Pottenbrunn mit den anderen von der Mitte
des 8. Jh. bis Anfang 9. Jh. datierenden im Donau- und Ostalpenraum gefundenen vergleichbar.“ (Petschko, S. 61)

Literatur

Petschko, Irene Maria: Das karolingerzeitliche Gräberfeld von Pottenbrunn, Niederösterreich; Wien, 2013


@ Torben Barthelmie, 2003 - 2020