oder auch: Fingerkunkeln, eng.: Distaff
Gefertigt aus Borosilikatglas, dem so genannten Hartglas, was im Alltag z.B. in der Küche verwendet wird, auch als Auflaufform, denn es ist widerstandsfähiger und verträgt auch den Hitzewechsel vom Kühlschrank in den heißen Ofen.
Es ist schwieriger zu verarbeiten, es benötigt einfach mehr Temperatur; bis ich Spinnrocken mit tordierten Stäben fertigen kann, werde ich wohl die Werkstatt erneut aufstocken müssen ;).
Die Farben der von mir gefertigten Spinnrocken variieren von den Funden, da die käufliche Farbauswahl beschränkt ist.
Hintergrund
Spinnrocken werden in Bestattungen von Mädchen angetroffen, die das 10te Lebensjahr vollendet haben, unter Augustus (der erste Kaiser von Rom, 63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) war übrigens das heiratsfähige Alter 12.
Spinnrocken im 1. bis 3. Jh. waren aus Knochen, Elfenbein, Bronze, Glas oder Bernstein, in den Bestattungen waren sie (nach Petcu,und Petcu-Levi, s. Literatur) feiner gearbeitet.
Gläserne Spinnrocken waren an einem Ende mit einem Ring, am anderen Ende mit einem Stumpf oder einer Taube verziert, ein einzelnes Exemplar mit einer Amphore.
Hier möchte ich auf die Forschungen von Gerd G. König an einem Spinnrocken aus Zurzach in der Schweiz verweisen. "Eine chemische Analyse des Spinnrockens aus dem Mädchengrab in der Schweiz wies sowohl im Inneren des Rings als auch auf dem Stab organische Rückstände der Haut der Hände nach, was auf eine langjährige Nutzung des Objekts hindeutete. Folglich schlussfolgerte Könik, dass der Spinnrocken stets in derselben Position verwendet wurde – in der linken Hand gehalten, wobei das Antlitz der Göttin der nutzenden Person zugewandt war. Bis zur Mitte des Stabes reichende Fettspuren belegten zudem, dass die Statuette der Göttin nicht vom Garn bedeckt wurde. Die Wahl der Venus als ikonografisches Vorbild ist kein Zufall – ebenso wenig wie das Vorhandensein der Taube auf bronzenen Spinnrocken aus dem 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. In der römischen Symbolik wird die Taube mit der Venus assoziiert, wobei sie als Stellvertreterin der Göttin fungiert." ... "In der römischen Welt galt das Spinnen – insbesondere von Wolle – als Tugend, die im Laufe der Zeit eine positive symbolische Konnotation (Anm.: = Nebenbedeutung eines sprachlichen Ausdrucks) erhielt. Im Leben einer Frau wurde es als Zeichen häuslicher Betätigung und Sittsamkeit angesehen. Aus diesem Grund erlangte es einen starken ideologischen Charakter, sowohl im Rahmen der Eheschließung als auch bei Bestattungszeremonien. Wolle – lateinisch *lana* – hatte für die Römer eine besondere Bedeutung, insbesondere aus religiöser Sicht. Die Gewänder der Priester bestanden ausschließlich aus Wolle, ebenso wie die Textilien, die bei religiösen Ritualen Verwendung fanden. Wolle symbolisiert die harmonische Verbindung zwischen Mensch und Natur.
Aufgrund des eher zerbrechlichen Materials, aus dem sie gefertigt waren, konnten Spinnrocken aus Glas lediglich symbolische, nicht funktionsfähige Objekte im Besitz einer Familie darstellen; sie wurden bei bestimmten Ritualen eingesetzt und veranschaulichten dabei eindrucksvoll den Status der Frau als *mater familias* (Mutter der Familie). Tatsächlich galten sie als Hochzeitsgeschenke, die von den Frauen symbolisch entgegengenommen wurden, um ihre neue gesellschaftliche Stellung zu verdeutlichen. Plinius erwähnt in seiner *Naturalis Historia*, dass sich unter den Hochzeitsutensilien einer Frau auch eine Spindel befand, um die ein Wollfaden gewickelt war." (Quelle: s. Literatur)
Anmerkung: ich hätte den Text mit zahlreichen "wohl" und "wahrscheinlich" versehen, denn es sind vielfach nur Vermutungen, ich bin aber nicht der Autor.
Ich bin hingegen sehr gespannt, ob meine Spinnrocken nicht aus in der Anwendung überzeugen, es ist immerhin Boroglas.
Praktische Tipps und Erläuterungen finden sich auch » hier (externer link, Stand: 28.04.2026) - da das www kurzlebig ist kann man auch *» hier [916 KB]
* klicken.
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Einen wunderschönen (zoombaren) Spinnrocken gibt es im Getty Museum (» hier). (Stand 02.11.2019)
Literatur
Petcu, Radu, Petcu-Levei, Ingrid: Glass Distaff discovered in Roman Tom tombs from Dobrudja (Romania) - Moessia Inferior. Sympolism and Use
Letzte Änderung am Dienstag, 28. April 2026 um 06:54:25 Uhr.





