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DIE alamannsiche Perle?

Ösenperlen (auch Bommel- oder Berlockperlen genannt) haben einen kleinen Grundkörper dem eine Glaskugel entspringt. Der Grundkörper ist nur selten so breit wie die Kugel und kann von eckiger, runder, tonnenförmiger oder auch gerippter Form sein.

Diese Art von Perlen tritt in der Zeit um 300 bis 350 n.Chr. (Übergang der Stufe C2 bis C3 der Späten Römischen Kaiserzeit) im früh- alamannischen Siedlungsgebiebt zwischen Rhein, Main auf.

Die beeindruckendsten Perlenensembles mit Ösenperlen finden sich in dem Doppelgrab 3-4 von Gerlachsheim bei Tauberbischofsheim (Nordbaden). Den beiden Frauen wurde je eine Halskette mit 20 Ösenperlen und 17 bzw. 18 einfachen blauen Perlen verschiedener Form mit ins Grab gegeben.
Kein anderer Fundplatz hat so eine Vielzahl Ösenperlen aufzuweisen.

Kurz nach dem Erscheinen verschwindet dieser Perlentyp wieder. In den Gräbern des späten vierten Jahrhunderts sind bisher keine Ösenperlen angetroffen worden. Daher kann davon ausgegangen werden, das die Perlen nur über einen kurzen Zeitraum produziert worden sind.

Erst im Laufe des 6. und 7. Jahrhunderts finden sich erneut vereinzelte Ösenperlen. Das Verbreitungsbild streut nun aber quer durch Deutschland, bis Dänemark und Polen.

Zu den jüngeren Funden aus dem 8. bis 11. Jahrhundert zählen 1 Exemplar in einer Halskette Grab 2 Ballstädt, Lkr. Gotha (Thüringen) 1 Exemplar einer Bestattung im Ortsteil Neuschmidtstet, Kr. Erfurt (Thüringen) und 2 Exemplare in einer Halskette in Berka v.d. Hainich Grab 9, Landkreis Eisenach (Thüringen).

Während bei den jüngeren Exemplaren davon auszugehen ist, das es sich um Altstücke handelt, ist die Frage ob es sich um eine charakteristische Perle der frühen Alamannen handelt nicht so einfach zu beantworten.

Zum einen ist nicht Bekannt, wo diese Perlen hergestellt worden sind und wie deren Handelswege waren. Zum anderen kann die unterschiedliche Fundzahl auch darin begründet sein, das die Germanen zur Zeit des Aufkommens der Ösenperlen noch die Brandbestattung praktizierten. So finden sich im Ost- und Elbgermanischen Raum in der Regel nur fragmentarisch erhaltene Perlen, wie in Perlberg bei Stade (Niedersachsen) oder zwei zusammen geschmolzene Perlen aus dem Gräberfeld von Butzow (Brandenburg).

Fazit:
Auch wenn verzeinzelte Funde früher und vereinzelte Exemplare bis in das 11./12. Jh. im Fundgut angetroffen werden, dieser Glasperlentyp ist absolut (Früh-) Alamannisch.

Literatur:
Koch, Robert.: Spätrömische Ösenperlen aus Kobaltblauem Glas.

Steuer, H.: Theorien zur Herkunft und Entstehung der Alemannen Originalbeitrag in: Dieter Geuenich (Hrsg.) in: Die Franken und die Alemannen bis zur "Schlacht bei Zülpich" (496/97). Berlin [u.a.]: de Gruyter, 1998, S. [270] - 324

Erdrich M. und Voß, H.: 1997. "Die Perlen der Germanen des 1.-5. Jhrs. in Mecklenburg- Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen." In: Perlen. Archäologie, Techniken, Analysen. Eds. U. v. Freeden 84 A. Wieczorek. Bonn: 77-93.

Rempel, H: Reihengräberfriedhöfe des 8. bis 11. Jahrhunderts aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin, Akademie Verlag, 1966

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