StartseiteHintergründeSonderformenGold- & Silberfolien


Dies sind Glasperlen mit Gold- oder Silberfolie bzw. Blatt überzogen oder auch Folie „in Glas“.

Technik
Eine normal gewickelte Perle wird über ein Gold- oder Silberblatt gerollt. Das Edelmetall verbindet sich so mit dem Glas, dies erfordert jedoch ein wenig Fingerspitzengefühl denn wenn das Glas zu heiß ist kann es das Blatt verbrennen.
Wenn die Folie mit dem Glas verschmolzen ist wäre die Perle mit Folie bereits fertig.

Die (noch heiße) Perle mit dem aufgetragenen Blatt kann dann mit einer weiteren Schicht Glas überzogen werden, es ensteht dann ein Gold-in-Glas bzw. Silber-in-Glas-Perle.

Vor dem erstarren kann die Perle segmentiert und ggf. können diese Segmente getrennt werden.

Viele der römischen Perlen und der Perlen nach der römischen Zeit weisen dann für die Trennung der Segmente charakteristische Bruchspuren auf.

Wenn Ausgrabungen einzelne zerbrochene Perlen zu Tage fördern, lässt sich nun bedauerlicherweise nicht mehr feststellen ob es sich um unabsichtlich zerbrochene Perlen handelt, ob die Perlen im Grab beschädigt wurden oder ob diesen Perlen als Grabbeigabe ein symbolischer Wert beigemessen wurde.



Farbspektrum
Zur mykenischen Zeit wurde Gold auf blaues Glas aufgetragen, später wurde um den Goldeffekt zur verstärken hauptsächlich klares Glas genommen.
Zur Wikingerzeit wurde das Farbspektrum dann wesentlich zahlreicher, Folien wurden auf grüne, blaue, rote, rotbraune, braune, klare oder farblose Grundperlen aufgetragen, wenn eine 2.Schicht Glas auf die Perle gewickelt wurde, war diese i.d.R. farblos, sehr selten (Fundstücke in Haithabu, Ribe, Birka, Cakajoce) blau (hell oder dunkel).
Außergewöhnlich ist die Verwendung von bernsteinfarbenem Glas oder auch wie in Winchester durchscheinendes rotes oder gelbliches Glas genommen (4.Jhr.)

Bleibt anzumerken das die Glasperlen mit Silberfolie und einer weiteren Schicht transparenten Schicht Glas dabei die Glasperlen mit Goldfolie-in-Glas imitierten.
Für die Kelten gab es da noch einen anderen Weg um den Glanz des Goldes vorzutäuschen: auf eine sehr dünne Schicht gelbes Glas wurde eine Schicht farbloses Glas aufgetragen.



Vorkommen
Diese Glasperlen haben eine lange Tradition, mykenische (1600 bis 1050v.Chr.) Folienperlen waren ohne weitere äußere Glasschicht, hier wurde Goldfolie auf dunkelblaues fast opakes Glas geschmolzen. Die Perlen waren auch hier kein billiger Ersatz für richtige Goldperlen sondern sie wurden im Zusammenhang mit reichen Bestattung gefunden, z.B. in Tholoi, Dendra, Theben und Mykene selbst.

Die erste Werkstatt konnte im hellinistischen (336v.Chr. bis 30v.Chr.)Rhodos festgestellt werden (Weinberberg, G.D. 1969, Glass manufacture in hellenistic rhodes, archaiologikon deltion 24, 143 – 1951) und im Museum von Rhodos sind wunderschöne Stücke zu sehen – und ich hatte keinen Fotoapparat dabei L

Zur Römischen Kaiserzeit ( 13.01.27 v.Chr. bis 487n.Chr.) sind diese Perlen im Barbaricum sehr selten vertreten, auffällig ist ein starkes Vorkommen in Polen, mit einer Konzentration von Perlen zwischen dem ersten und 5. Jhr. mm Gdansk, wobei Silber hier ebenso häufig gebraucht wurde wie Gold.

Frau Tempelmann-Maczynka wies die goldüberfangenen Perlen der Gruppe XXVIII zu.
Die geringe Fundstärke spiegelt sich auch in der sehr klein ausfallenden Gruppe mit lediglich den Typen 387 a – f wieder.

Glasperlen mit Gold- und Silberfolie zur Völkerwanderungszeit (375v.Chr. bis 568n.Chr.)
In England sind diese Perlen zu römischer Zeit ebenso selten vertreten wie auf dem Festland, die Zahl der Funde nimmt vom vierten bis 7.Jhr.n.Chr. zu.

M. Guido nennt für die Zeit von 400 bis 700 n.Chr. etwa 100 Funde, 56 Fundorte, teilweise mehrere Gräber, mit 1 bis 41 Folienperlen wobei
die höchste Segmentzahl 3 ist.
(The Glass Beads of prehistoric and roman periods in Britain and Ireland by, 1978, The Glass Beads of Anglo-Saxon England c.AD 400-700 : A Preliminary Visual Classification of the More Definitive and Diagnostic Types, Reports of the Research Committee of the Society of Antiquaries, beide von Margaret Guido)



Auch wenn es mir nicht gefällt nur einen Teiltext zu veröffentlichen - diese Perlen treten bis in die Wikingerzeit auf, dort teilweise sehr gehäuft und auch Birte Brugmann weist Perlen dieser Art auf (Glass Beads from Anglo-Saxon Graves: A Study on the Provenance and Chronology of Glass Beads from Anglo-Saxon Graves, Based on Visual Examination) oder auch in Liebenau (Maren Siegmann: Bunte Pracht – Die Perlen der Frühmittelalterlichen Gräberfelder von Liebenau Bd. 1 –3.).... es ist somit wirklich noch nicht alles gesetzt und diese Rubrik wird fortgesetzt, z.b. auch zu den Glasperlen mit Silberfolie, die nahezu identisch in Finnland, Ribe, Haithabu und Birka vertreten sind.

Und der einzige Weg um dies entsprechend darzustellen, ist in eigenen Seiten (s. links), unübersichtlicher wird es, das z.B. auch Liebenau nun weiter zerrissen wird, aber ich sehe keine andere Möglichkeit.

In eigener Sache noch etwas zum Thema Abnutzung
Vor allem die Silberperlen zeigen nach einiger Zeit des Tragens Spuren der Abnutzung, besser gesagt: die hier gezeigten Perlen habe ich 14 Tage (fast) ununterbrochen getragen, die Silberperlen zeigen Anlaufspuren, aber diese lassen sich jedoch mit gewöhnlichem Silberpflegemitteln wieder auf Glanz bringen.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

@ Torben Barthelmie, 2003 - 2016