StartseiteHintergründeGewandung und TrachtzubehörGotlands Hosenverschwörung

Es gibt "Aussagen" darüber, das Gotländer NIE Hosen kannten...

Ausgrabungstechnisch liegen auch keine textilen Nachweise vor (verbrannten die Gotländer bereits nach dem Brauch des 19/20. Jahrhunderts die Hosen des frisch vermählten am Ehe-Abend und vergruben die Asche....?)

Auf verschiedenen Bildsteinen lassen sich aber einwandfrei Pluder-Hosen erkennen.
Und wie auf diesem sogar bei einem Reiter.

Kirchspiel Halla, Broa IV


Reiter mit Pluderhose

Auf diesen Nachweis folgt das Argument: Das waren ja keine Hosen.

*räusper* Wer hatte denn als Krieger zu Pferde solch ausgearteten Oberschenkel?

Aus der "Hosen"-Tasche gezaubert daher:
Der Bildstein von Ire: auch die eng-anliegenden Hosen waren bekannt...

Ire 600-800n.Chr.


engangliegende Hosen

noch ein Bildstein zum Thema Hosen...

hier finden sich 2 Kämpfer (!) mit sehr unpraktischen Hosen UND unpraktischen weiten Ärmeln...

Bildstein von Smiss




bevor ich es vergesse oder ... wie auch immer:


Und das Schuhe, Socken, Beinwickel oder auch Gamaschen zu langen Tuniken getragen wurden ist sehr wahrscheinlich (denn Ohne zieht es von unten und Kleidungsstücke dieser Art gibt es seit....)

Die Tradition der Hose als Beinkleid wurde schon früh nach Gotland importiert.
Und das Gotländer, wenn sie es sich leisten konnten, verschwenderisch UND eigensinnig waren.... welche Valkyre würde einen "arm bekleidten Nordmannen empfangen" ?!



Fazit:

Das Gotländer Hosen verschiedener Schnittart getragen haben ist nachgewiesen!
Nur gibt es Tätigkeiten in denen diese Gewandform sehr unpraktisch ist und wohl NICHT zum niederen Volk gehörte (z.B. Abwasch).

Bisher konnte ich noch keine Übereinstimmungen für
- Zeit
- Länge der Tunika
- Weite der Ärmel
- Tätigkeit
nachweisen.
Daran arbeite ich und werde hier in kürze eine Tabelle zur Übersicht der Zeitstellung der Bildsteine und der Hosentracht einstellen.

äh... und nein, nicht jeder Kommentar zum Thema Hosen meinerseits ist ernst diskutiert, denn das die Gotländer Hosen trugen, jenachdem was sie für eine weitere Gewandung trugen oder was für eine Tätigkeit sie ausübten, ist anhand der Bildsteine gesichert.



Laxarve, Kirchspiel Boge Krieger, verschiedenen Darstellungen; Tuniken mehr als knie- (bis knöchel)lang; bei den Figuren mit nur knielanger Tunika sind die "Beine" stärker ausgebildet dargestellt als bei den Figuren mit knöchellangen Tuniken 700-1000
Smiss I, Kirchspiel Närr 2 Kämpfer, beide mit Tütenärmeln und Pluderhose 700-800
Lillbjärs (III), Kirchspiel Stenkyrka 1 Reiter mit Pluderhose, 1 Hornträger(?) mit bodenlanger Tunika 700-800
Tängelgarda (I), Kirchspiel Lärbro zahlreiche Figuren mit Tütenärmeln bei denen die Tuniken etwa in der Mitte des Schienenbeins enden und die Unterschenkel eben so stark ausgebildet dargestellt sind wie bei der einen Figur mit Pluderhose (es ist kein Unterschied zu erkennen - dies könnte ein Indiz für die Verwendung von Hosen auch bei langen Tuniken sein) 700-800
Tjängvide (I), Kirchspiel Alskog 8 Krieger auf einem Boot, bei allen erfolgte eine Trennung zwischen Fuss und Beinen, zum Teil auch zur Tunika. Indiz für Hose? Wohl ja.. 700-800
Broa (IV), Kirchspiel Halla ein Reiter mit Pluderhose 700-800
Ire (V), Kirchspiel Hellvi 2 Figuren mit enangliegender Hose und etwas über der Hüfte langen Tuniken 600-800
Smiss I, Kirchspiel Stenkyrka zahlreiche Figuren, dort wo wie Beine zu erkennen sind wurden Pluderhosen abgebildet 700-800


Ältere Bildsteine zeigen keine menschlichen Darstellungen, für die diese Zeit kann anhand der Bildsteine über die Hosentracht kein Nachweis geführt werden, es ist jedoch unwahrscheinlich das die engangliegende Hosentracht erst um 600 bekannt wurde und gleich darauf die Pluderhose sich durchsetzte. Zu beachten bleibt, das auf den Bildsteinen nicht das Alltagsleben wiedergegeben wird, sondern Krieger und Personen in gehobenen Positionen.

Wer es immer noch bestreitet, wie schrieben Erik Nylén und Jan Peder Lamm: "Die gewebten Trachten der Bronzezeit kennen wir auf Grund günstiger Fundumstände recht gut; sowohl bei der Frauen- als auch bei der Männertracht fehlten Hosen. Während der Eisenzeit nahmen jedoch die Hosen -im Zusammenhang mit dem sich entwickelnden Reitwesen- ihren Siegeszug auf." (S. 91).

Ich denke, es dürfte anhand dieser Nachweise sicher sein, das die Gotländer schon seit langer Zeit, etwa 600 VOR Christus, mit der Hose vertraut waren.

@ Torben Barthelmie, 2003 - 2017