StartseiteHintergründeGewandung und TrachtzubehörTierkopffibeln auf Gotland

Zwar habe ich monatelange Recherchen in meinem sechten Buch "Die Frauentracht auf Gotland zur Wikingerzeit" im Frühjahr vollende aber dennoch hier ein paar Ausführungen bezüglich der Trageweise der Tierkopfibeln (TKF), dem wohl markantestens Zeichen dieser Tracht.

Hauptwerk hierzu ist LTN WKZ III:2 Kap. 45, Tracht (Lena Thunmark-Nylen, Die Wikingerzeit Gotlands).

Fundlage auf Gotland, Fibeln, Messer, Dosenfibel.



Keine OVS (Ovalspangengen), die TKF wurden NIE mittig auf der Brust getragen. Egal wenn Händler dazu sagen: die haben sich verlagert (die TKF, nicht die Händler), wer einmal die Gräbpläne z.B. aus Birka, mit denen von Gotland vergleicht wird einsehen müssen, das sich nicht 100% der Fibeln von Gotland so verlagert haben können. Eher könnte es sein, das die festländischen Skandinavier nur um zu protzen die OVS auf der Brustmitte bei der Bestattung platziert haben, und nur die Gotländer ihrer Mode treu waren. Nein ehrlich. Um nicht zu viel zur Trachtlage der TKF zu schreiben, findet sich mal im Anhang ein Bild mit Skelett und Trachtzubehör in Situ.Die Lage „TKFn beiderseits der Brust auf Höhe der Oberarmmitte“ wurde 30x in ungestörten Gräbern angetroffen. 13 andere Positionen sind vertreten.

Ach ja, die Schnauze der TKF zeigt immer nach vorne. Wieso wurden die TKF so getragen? Mehrere Varianten sind vorstellbar. Leider gibt es keine aussagekräftigen textilen Funde hierzu. Daher nach LTNEin peblos-artiges Gewand. Das Peblosgewand ist nur möglich, wenn es an den Schultern vernäht wurde oder aber mit zwei Trachtnadeln oder Fibeln (Kombinationen kommen vor) verschlossen wurde

Ein poncho-artiges Gewand, eine große Gugel ohne Kapuze eben, ein halblanger Umhang der automatisch verschlossen ist.

Fundlage Tierkopffibeln auf Gotland


Ein Überwurf, ähnlich dem Hängerock, der an den Seiten mit den TKF verschlossen wurde


Einzelne TKF, Fundlage siehe Bild

An den Nadeln der Gerätefibeln finden sich teilweise Schlaufen. LTN schlägzt vor, das diese Schlaufen am Gewand befestigt waren und daher die Nadeln der GF nicht immer das Gewand beschädigten, sondern die GF immer einen festen Platz hatten

Ebenso markant: die Dosenfibel. Als kostengünstigere Alternative empfehle ich eine dritte TKF, wie dies auch in den Gräbern angetroffen wurde

Die im Halsbereich getragenen TN oder Kombinationen werden WAHRSCHEINLICH ein Schultertuch oder Umhang befestigt haben (letzter dennoch mit einer DF verschlossen, aber eben schön drappiert).

Eine dritte TKF kann auch eine zweite Trachtnadel ersetzen

So, das war die ganz kurze Version. Also wirklich ganz kurz. Im Tempus Vivit gibt es auch noch zwei Diskussionen zu diesem Thema. Oder eben über 1.000 Seiten zum durchforsten von LTN III:1 & 2. Dazu sollte man niemals WKZ I & II, und IV 1 & 2 vergessen, sowie das Statens Historiska Museet online.

Mich hat das einige Zeit gekostet, vor allem das auf 126 Seiten mit Bildmaterial verständlich zusammen zu fassen. J Dazu kommen natürlich Die Infos darüber, welcher Schmuck, in welcher Lage. Ich beantworte auch die Frage, in welchem Jahrhundert das Messer senkrecht, schräg oder waagerecht getragen wurde. In Kombination mit den Chronologien der TKF und GF kann man da schön a*päbsteln… Für Rückfragen stehe ich dennoch zur Verfügung.

Einzelne Tierkopffibeln auf Gotland


@ Torben Barthelmie, 2003 - 2017