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Durchbrochene Ovalspangen ohne Unterschale?

Mythos oder Wahrheit?

Zur Definition:
Einschalige Schalenspangen sind in einem Guß gefertigt. Die Verzierung wurde also mit gegossen.
Zweischalge Schalenspangen bestehen aus einer Ober- und Unterschale. Die Unterschale ist unverziert, die Oberschale besteht aus einem durchbrochenem Zierwerk.

In der Szene finden sich verschiedene durchbrochene OVS (Ovale Schalenspangen).

Die Recherche:

O. Rygh: Norske Oldsager (1885). Gibt es legal online hier. Die gezeigte OVS bzw. der Typ, wie im folgenden, wird oft in der "Szene" ohne Unterschale verwendet.

Rygh 651 bzw. Borre-Stil



So auch, verwand, Abb. 651a/b – dort einwandfrei doppelschalig.


Weiter ging es mit J. Pedersen: Vikingetiden Smykker (1928). Es war EINE durchbrochene OVS ohne Unterboden zu finden.

Die bei J. Pederson gezeigte OVS ohne Unterschale wird dem Typ 655 zu geordnet, der zweischalig ist. Folglich ist hier die untere Schale verloren gegangen. (s. Fazit)

Auch bei J. Jansson: Birka II:1 (1984), Silke Eisenschmidt: Grabfunde zwischen Kongea und Eider (2004) und S. Eisenschmidt & U. Arents: Die Grabfunde von Haithabu, finden sich weder im Text noch in den Abbildungen Hinweise auf einschalige durchbrochene Fibeln.

Marianne Eldorhagen: Ovale spenner i Nord-Norge og Trøndelag, Universitetet i Tromsø, Hosten, 2001 – keine Funde

Monttelius (Om de ovala spännbucklaorna, 2. Maadasblad 6., Stockholm) liegt mir nicht vor.

Ingmar Jansson führt 49 OVS aus Lettland auf. (Scandinavian oval brooches found in Latvia, in: Studia Baltica Stohkholmiensia, 1992, Die Kontakte zwischen Ostbaltikumd und Skandinavien im Frühen Mittelalter) Nur 17 hiervon sind paarig.

Es finden sich vier Streufunde (wenn ich richtig gezählt habe), davon zwei Oberschalen und zwei US. Nur eine einzelne (!) wurde in einem Grab angetroffen

INTERSSANTER: in vier Fällen wurden Ober- und Unterschalen von unterschiedlichem Typus zusammen genietet. Dies können nur Reperaturen sein

Aus Skandinavien liegen mir hierzu keine solchen Informationen vor.

Fazit: Reperaturen ja, aber für nur paarige durchbrochene OS als Fibelpaar getragen noch kein Nachweis.

Exkurs: Vendelzeit: Martin Rundkvist, Domed oblong brooches of
Vendel Period Scandinavia; dort gibt es nur einschalige, nicht durchbrochene OVS.

Fazit:
Also, entweder einschalig mit mitgegossener Ornamentik und mitgegossener durchbrochener Oberschale oder doppelschalig mit Unterschale und durchbrochener Oberschale.

Dazu können natürlich noch Applikation wie Plattierungen, Drähte und Knöpfe/Nieten kommen.
Die einzige Rechtfertigung für durchbrochene OVS ohne Unterschale ist: die sekundäre Verwendung einer zweischaligen OVS mit durchbrochener Oberschale, welche sich von der Unterschale gelöst hat und dann mit einer Nadel versehen wurde.

Ob dies getan wurde? Vorstellbar ja, aber meine Überprüfung war Erfolgslos, da die zu vor genannten Autoren nur auf die Verzierung und Typisierung eingegangen sind. Bildmaterial zu durchbrochenen OVS ohne Unterschale war mir nicht auffindbar, die Theorie der Befestigung einer Nadel an der Oberschale somit nicht zu bestätigen.

Das Statens Historiska Museet online habe ich derzeit bis zur Seite 26 von 99 mit je 50 Abb. gesichtet. Auch hier findet sich bisher keine durchbrochene OVS ohne Unterschale.

http://mis.historiska.se/mis/sok/resultat_foremal.asp?sakordstyp=oval+sp%E4nnbuckla&rd_max=323&rd_min=323&searchmode=&qmode=&qtype=f&sort=asc&orderby=invnr_&sm=0_3&pagesize=25&page=11


Quelle: J. Peddersen, Vikinge tide smykker

Es gibt eine Replik, der Abbildung links entspricht. J. Petersson verweist zu diesen OVS darauf, das die US und OS vernietet sind. Nicht spricht für eine OVS bestehnd nur aus einer durchbrochenen Oberschale.



Verteilung der Borre und Jellingstil Ovalfibeln


@ Torben Barthelmie, 2003 - 2017