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Perlen ab 5. Jh. n. Chr.:

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Ein Frühgeschichtlicher Handelsplatz an der Peene

"Bei Menzlin, Kr. Anklam, wurden am Nordufer der Peene Teile einer großen Siedlung und Teile des zugehörigen Gräberfeldes untersucht."
Uwe Schonknecht wies bei den über "30 nachgewiesenen Gräbern ... skandinavische Beigaben sowie wertvolle Importe aus anderen Gebieten (Irland, Baltikum)"nach," die im slawischen Siedlungsgebiet fremd sind. Auch die Form der Bestattung in schiffsförmigen Steinsetzungen und in Steinkreisen entspricht skandinavischen Sitten.
Der Bestattungsplatz kann somit einer skandinavischen Bevölkerungsgruppe zugewiesen werden. Auffallend ist dabei, dass es sich nach den geschlechtsspezifischen Beigaben -wie Schalenfibeln- um Frauengräber handelt. Die Mannergräber mögen sich hinter den Gräbern mit uncharakteristischer Ausstattung verbergen, oder sie wurden in dem weitläufigen Gräberfeld mit 800 vermuteten Bestattungen noch nicht entdeckt."
Ebenso wird ein gesonderter Bestattungsplatz für die slawische Bevölkerung vermutet, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht nachgewiesen war.

Bei der chronologischen Einordnung der Beigaben wurde festgestellt, dass die meisten zeitlich fixierbaren Funde dem 9. Jh. angehören. Hierzu zählen eine Ringnadel aus Grab 27, eine Schnalle aus Grab 13, die wohl dem Anfang des 9. Jh. angehört, sowie eine Fibel aus Grab 4 b.

Aufgrund der Lage von Menzlin zählt die frühstädtische Siedlung von Menzlin zu den Handelsplätzen mit Siedlungen des 9. und 10. Jahrhunderts im Ostseeraum ein, wie auch Birka, Haithabu und Wolin. Die Lage im Küstenhinterland ermöglichte den Handel von und nach Skandinavien und in das slawische Hinterland aufgrund von Flüssen und Straßen.

Nun aber, zu den Perlen, unterteilt in Perlen aus der Siedlung und Perlen vom Bestattungsplatz.

Perlen aus der Siedlung Perlen aus Glas und Halbedelsteinen
Hier die Zusammenfassung gem. U. Schonknecht, für den teilweise schlechten Zustand eine gute Beschreibung.
1. Doppelpyramidenförmige facettierte Bergkristallperle. Von beiden Polen etwas schräg angebohrt. Farbe: farblos. Länge 1,8 cm; Dm 1,0 cm.
2. Zylinderförmige Bergkristallperle mit Längsfacetten. Glatt durchbohrt. Farbe: farblos. Länge 1,7 cm; Dm 1,1 x 0,9 cm.
3. Zylinderförmige Bergkristallperle mit Längsfacetten. Von beiden Polen etwas schräg angebohrt. Farbe: farblos. Länge 1,75 cm; Dm 0,95X0,8 cm.
4. Hälfte einer scheibenförmigen Karneolperle. Die runde Perle hat abgeschrägte Kanten. Die Perle ist etwa 2/3 durchbohrt und direkt am Bohrloch zerbrochen. Farbe: rotbraun. Dm 1,9 cm; Dicke 0,5 cm
5. Kleine Karneolperle in Scheibenform mit abgeschrägten Kanten. Die annähernd runde Perle ist in der waagerechten Ebene durchlocht. Farbe: rotbraun gemasert. Dm 1,0 cm; Dicke 0,35 cm.
6. Bruchstück einer flachen Amethystperle unregelmäßiger Formgebung. Die Perle ist an der Bohrung der Länge nach zerbrochen, sie ist fast farblos mit violettem Schimmer. Länge 1,4 cm.
7. Stabförmige Glasperle mit Längsrippen. Unregelmäßiger Abschluss an beiden Enden. Farbe: zart hellgrün. Länge 1,8 cm; Dm 0,9 cm.
8. Bruchstück einer kugelförmigen Glasperle, etwa zur Hälfte erhalten. Farbe: hellblau mit grünlichem Schimmer, umlaufend violette Linien. Dm 1,2 Cm
9. Bruchstück einer kugelförmigen Glasperle, etwa zur Hälfte erhalten. Die Perle ist aus verschiedenfarbigem Glas zusammengesetzt. Farbe: dunkelbraun und weiß, in den weißen Flächen noch einzelne Flecke in beige. Dm 1,3 cm.
10. Walzenförmige Perle aus opakem Glas in Millefioritechnik, sog. Augenperle. In der dunklen Grundmasse befinden sich helle Felder, die dunkle Augen umschließen. Farbe: dunkelbraun und gelblichweiß. Länge 2,0 cm.
11. Große Reihenperle mit 6 Gliedern, der Länge nach zerbrochen. Auf der Grundmasse heben sich helle Längsstreifen ab. Farbe: dunkelblau mit weißen Längsstreifen. Länge 2,6 cm.
12. Große Reihenperle mit 3 Gliedern. Farbe: Silber auf ockerfarbenem Grund. Länge 2,6 cm.
13. Reihenperle mit 2 Gliedern und dem Ansatz eines dritten. Farbe: Silber mit Weiß. Länge 2,1 cm.
14. Schlanke Reihenperle mit 3 ganzen Gliedern und dem Ansatz eines vierten. Farbe: Silber mit grauem Untergrund. Länge 1,8 cm.
15. Bruchstück einer Reihenperle mit 3 Gliedern. Der Länge nach zerbrochen. Farbe: Silber auf grau-braunem Grund. Länge 1,7 cm.
16. Reihenperle mit 3 Gliedern. Die einzelnen Glieder sind melonenförmig senkrecht gerippt. An beiden Enden befinden sich Bruchstellen. Farbe: mittel-blau mit weißen Streifen. Länge 1,7 cm.
17. Reihenperle mit 5 Gliedern. Farbe: blau. Länge 1,85 cm.
18. Reihenperle mit 3 Gliedern. Auf der Perle feine senkrechte Linien. Farbe: blau. Länge 1,4 cm. Oberflächenfund.
19. Reihenperle mit 3 Gliedern. Auf der Perle feine senkrechte Linien. Farbe: blau. Länge 1,9cm.
20. Reihenperle mit 3 Gliedern. Auf der Perle feine senkrechte Linien. Der Länge nach zerbrochen. Farbe: blau. Länge 1,5 cm.
21. Reihenperle mit 3 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,5 cm.
22. Reihenperle mit 3 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,2 cm. 2
23. Reihenperle mit 3 Gliedern. Farbe: Silber, Länge 1,4 cm.
24. Reihenperle mit 3 Gliedern. Farbe: Gold. Länge 1,1 cm.
25. Reihenperle mit 2 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,1 cm.
26. Reihenperle mit 2 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,0 cm.
27. Reihenperle mit 2 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,1 cm.
28. Reihenperle mit 2 Gliedern. Farbe: Silber auf grau-braunem Untergrund. Länge 1,2 cm.
29. Reihenperle mit 2 Gliedern, teilw. zerbrochen. Perle nicht durchlocht. Farbe: Silber auf grauem Grund. Länge 1,0 cm.
30. Reihenperle mit 2 Gliedern. Auf der Perle feine senkrechte Linien. Farbe: dunkelblau mit grauen Längsstreifen. Länge 0,9 cm.
31. Sehr feine Reihenperle mit 4 Gliedern. Farbe: Silber. Länge 1,05 cm.
32. Reihenperle mit einem großen Mittelängelied und zwei kleinen Endgliedern. Auf der Perle feine senkrechte Linien. Farbe: mittelblau mit weißen Streifen. Länge 1,2 cm.
33. Große Ringperle mit stark gerippter Außenflache. Farbe: dunkelblau. Dm 1,8cm.
34. Kleine Ringperle. Farbe: blau. Dm 0,8cm
35. Kleine Ringperle. Farbe: schwarzblau. Dm 1,0cm.
36. Kleine, flache Perle. Farbe: blau. Dm 0,8cm.
37. Kleine, flache Perle. Farbe: blau. Dm 0,7cm.
38. Winzige Perle (aus Ton?). Farbe: bräunlich. Dm 0,6 cm.
39. Winzige zylinderförmige Perle mit Längsfacetten. Farbe: hellgrün. Länge 0,8 cm.
40. Winzige zylinderförmige Perle, leicht zerschmolzen. Farbe: hellgrün. Länge 0,9cm.
41. Winzige zylinderförmige Perle mit Längsfacetten, der Länge nach zerbrochen. Farbe: leuchtendgrün. Länge 0,9 cm.
42. Randbruchstück einer großen Perle mit Fadenauflage. Farbe: dunkelblau mit weißen Faden. Erhaltener Dm 2,1 cm.
43. Tonnenförmige Perle aus Owrutscher Schiefer (?). Farbe: rötlichbraun. Dm 1,5 cm.
44. Tonnenförmige Perle aus Owrutscher Schiefer (?). Farbe: rötlichbraun. Dm 1,2 cm.

Der Autor stellt als sehr auffallend in den Siedlungsfunden die 3 Bergkristallperlen, 2 Karneolperlen und das Bruchstück einer Amethystperle heraus, da verschiedene Arten dieser Halbedelsteinperlen auf zahlreichen Fundplätzen vorkommen, in Mecklenburg jedoch sehr selten sind.
Die große räumliche und zeitliche lässt für diese Perlen keine nähre zeitliche Einordnung zu.
Bei den Glasperlen treten in Menzlin einige Perlen als Einzelformen auf und sie stellen auch auf anderen Fundplätzen immer nur einen geringen Prozentsatz der Perlenvorkommen dar.
Besonders bemerkenswert sind die große Ringperle Nr. 33 mit stark gerippter Außenseite sowie das Bruchstuck einer großen Perle mit heller Fadenauflage (Fundliste 6, Nr. 42) Dieses Bruchstück einer Perle erinnert an die als Spinnwirtel bezeichneten Perlen wie sie seit der römischen Kaiserzeit bekannt sind (wobei die Verwendung als Spinnwirtel nicht in jedem Fall gesichert ist).

Perlen in den Gräbern
Die Gräber (Gräber 4b, 12, 15, 23 und 24) lieferten Glasperlen, die meist aufgrund der Brandbestattung sehr stark zerstört und zuweilen in Form und Farbe nicht mehr bestimmbar sind.

Grab 4 b
Eine nun stark zerquetschte, ehemals gestreckte, dunkle walzenförmige Perle mit blassgrauer, ineinander verzogener Fadenauflage. Diese Form und Verzierungsart ist sehr halt, die ersten Exemplare treten zur vom Übergang der Hallstatt zur Latene auf, dann verschwinden sie für eine Zeit und treten verstärkt zur römischen Kaiserzeit bis zur Wikingerzeit auf. Eine weitere Perle, nun zu einer Glasscheibe geschmolzen ließ sich als Millerioriperle identifizieren Grab 12 Intakte Perlen in diesem Grab waren nur außerhalb der Urne zu finden, dies waren eine kleine ockerfarbene Doppelperle sowie 5 sehr kleine weiße kugelförmige Perlen mit 0,6cm Durchmesser. Sonst fanden sich innerhalb und außerhalb der Urne nur zerschmolzene Perlen und mehrere kompakte Glasschmelzbrocken, teilweise mit Leichenbrand verbacken. Die Schmelzstucke zeigen blaue und graue, auch silbrige Farben, sowie 2 weiße. Drei völlig zerschmolzene größere Glasreste zeigen blaue und graue Farben.

Grab 15
Hier fanden sich 2 Hohlperlen, eine davon ockerfarben, kugelig, mit 1,1 cm großem Durchmesser, die andere ebenfalls ockerfarben, jedoch eine Doppelperle von 2,2 cm Länge Ein Ende dieser Perle endet mit großer Öffnung stumpf und abgeschliffen, das andere Ende weist scharfe Kanten auf, ggf. ist dies der Ansatz eines dritten Gliedes. Grab 23. Bei der Perle in diesem Grab handelt es sich um eine walzenförmige sog. Strahlenaugenperle in blauer Grundfarbe. In Millefioritechnik sind weißliche, rote, gelbe und grüne Farben eingelegt in Form von umlaufenden Ringen und bei den drei ,,Augen". Die Perle ist 1,4 cm lang. Bisher sind in Mecklenburg zu slawischer Zeit keine weiteren Funde dieser Perlenart bekannt, es könnte somit ein Import der skandinavischen Bevölkerung sein, wobei für Perlen dieser Art als Ort der Herstellung der Vordere Orient genannt wird.

Grab 24
Die Perlenreste in diesem Brandgrab lassen sich nicht mehr näher bestimmen. Offenbar ist einer der bräunlich, teilweise grünliche Schmelzbrocken der Rest einer Reihenperle aus 4 Gliedern. Es ist zu betonen das Glasperlen aus slawischer Zeit in Mecklenburg sehr selten sind. Unter dem Material befindet sich außer in Menzlin lediglich eine Reihenperle aus Locknitz, Kr. Pasewalk, wo die Perle auf einem Grabhügel gefunden wurde (H. Stange u. K. D. Gralow, 1972). Sonst dominieren kugelige und ringartige Formen. Es sind meist nur Einzelstücke oder wenige Exemplare. Lediglich in Grab 23 des Körpergräberfeldes Damm bei Rostock wurden 25 Perlen gefunden und Grab 7 in Behren-Lubchin lieferte 12 Perlen und 2 durchlochte Fuchszähne (A. Hollnagel, 1965).
Groß Strömkendorf

Siedlung der Wikinger bei Wismar, Ostsee, 8. bis frühes 9. Jahrhundert

In Groß Strömkendorf fanden sich 136 Glasperlen.
Nur 2 von Zehn Körper- und 14 Brandgräbern weisen mehr als 20 Perlen auf. Diese geringe Perlenzahl spiegelt die allgemeinen Fundarmut der Gräber von Groß Strömkendorf.
Bei den Brandgräbern ist i.V.m. mit den Feststellungen von Maren Siegmann (Bunter Pracht, die Glasperlen aus Liebenau und Dörverden Bd. 1-5) ein Verlust von bis zu 50% der Perlen zu rechnen.
Die Reihenfolge der Glasperlen ist nicht rekonstruierbar, es lässt sich jedoch feststellen das die Perlen alle im Oberkörperbereich der bestatteten Personen angetroffen wurden.
Eine reihenartige Anordnung im Halsbereich wurde in 4 Gräbern angetroffen, was für relativ kurze Halsketten spricht.
Größere Bereiche des Oberkörpers deckten die Perlenfunde nur in 2 Gräbern. Obwohl es sich auch hier nur um wenige oder kleine Perlen handelt sind dies wohl relativ lange Halskette gewesen (die Perlen können z.B. durch Knoten auf einer längeren Schnur fixiert worden sein).

Lediglich im Grab 255 findet sich eine Konzentration von Perlen im Brustbereich wovon einige Rostablagerungen aufwiesen. Hier ist eine Trageweise als Fibelkette möglich, wenn auch fragwürdig.

Zusammenfassend lässt sich feststellen das in Groß Strömkendorf keine (bis auf eine fragwürdige) Fibelketten aus Glasperlen getragen worden sind. Vielmehr wurden ein- oder mehrreihige Halsketten verschiedener Länge getragen.

Literatur

Die Glasfunde des frühmittelalterlichen Handelsplatzes von Groß Strömkendorf bei Wismar; Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Alexander Pöche, Kiel 2001

Literatur

Jahrbuch des Nordfriesischen Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe Band 29, Jahrgang 1952/1953


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