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Und hier speziell

Västergarn

In den Bestattungen und der Siedlung von Västergarn, Gotland wurden 93 Perlen gefunden. Sie bestanden aus Glas (56), Bergkristall (2), Karneol (1), Bernstein (4), Knochen (1), Metall (3), Jade (2) und unbestimmbaren Material (6) .

Die Farben der Glasperlen waren rot, orange, gelb, blau, blaugrün, türkis, grün, lila, pink, weiß, grau, schwarz, klar und blau.

Es gibt nur drei Perlen mit Silberfolieneinlage und eine einzige Mosaikperle. 34 der weiteren 52 Perlen waren einfarbig. Damit, wie in anderen Regionen Skandinaviens, waren die monochromen Glasperlen überzählig, wenn auch nicht in größeren Zahlen vorhanden.

Die Perlen waren ring-, würfel,- tonnen- oder scheibenförmig, bikonisch, zylindrisch, facettiert oder segmentiert. (Zu der Defintion, was Archäologen bierunter verstehen folgt eine gesonderte Ausarbeitung (fast fertig, Stand 23.08.2013) .

Die verschiedenen Perlenvarianten wurden wie folgt eingteilt:

Typ A1: transluzendV
on den einfarbigen Perlen waren nur neun transluzend, von diesen Exeplaren war alleine fünf blau.

Typ A2: opak
Neun der einfarbige Perlen sind undurchsichtig und hauptsächlich gelb und braun. Dies waren ringförmig-bauchig, zylindrisch und tonnenförmig

Typ A3: opak, matt
Es gibt insgesamt sechzehn opake Perlen mit einer matten Oberfläche. Hiervon sind sechs gelb von denen vier zylinderförmig, eine kugelförmig und eine ringförmig. Es gibt drei rote und drei orange fassförmige Perlen. Des weiteren existiert eine blaue zylinderförmige, eine braune ringförmige, ein grüne tonnenförmige Perle. Bei einer weiteren es war nicht möglich die Farbe zu bestimmen.

WIESO UNTERSCHEIDUNG MATT / OPAK??? (Anm. von mir)
Matte bauchige rote und orange Perlen treten erstmalig zur römischen Eisenzeit und während der Vendelzeit auf. Gelbe Perlen treten während der zweiten Hälfte des 9. Jahrhundert verstärkt auf. Die Zahl der orangenen, matten, Perlen, wird nur noch kleineren Zahlen gefunden. Der Zustand der Perlen wird vom Autor also für wichtig für die Zeitstellung der Perlen gehalten. Dies hat aber nichts mit der Vabrikation zu tun. Gem. Maren Siegmann werden bleihaltige Perlen eher von den in der Erde befindlichen Säuren angegriffen als weniger bleihaltige. Dadurch zersetzt sich die Oberfläche bzw. ganze Struktur der Perle. Je "zerfressener" bzw. "matter" eine Perle ist, um so älter ist diese. Dadurch kann eine chemische Analyse durchaus zu einer Bestimmung des Alters der Perle führen.

Die Perlenvarianten
Typ B1: Goldfoliierte PerlenDrei der Perlen wurden mit Goldfolie veredelt. Eine von ihnen ist tonnenförmig, während die beiden anderen zylindrisch sind..

Typ C: polychrome Perlen
19 Glasperlen wurden mehrfarbig verziert, hier liegen verschiedene Varianten vor.

Typ C1: unregelmäßige Schleifen
Fünf der Perlen wurden mit einem gelben, unregelmäßigem Achterschleifenmuster verziert.

Typ C2: ZickzackfadenauflageEs gibt zwei Perlen bräunlicher Grundfarbe, die mit einer in Schleifen bzw. zackenförmigen Fadenauflage verziert waren.

Typ C5: Wellenlinien
Diese wurden parallel zum Äquator aufgeschmolzen. Zwischen diesen beiden läuft ein blaues Muster, dessen genaue Form schwer zu erkennen ist.

Typ C1.1: Schichtaugenperlen
Bei dieser Perlenart werden verschiedenfarbige Farbpunkte aufeinander geschmolzen. Es gibt eine grüne tonnenförmige Perle mit drei roten Punkten und einem schwarzen Punkt in deren Mitte.
Sie datiert auf die Zeit 790 bis 845 n. Chr.

Typ C1.2: StrahlenaugenperlenEs wurden drei Perlen mit so genannten Strahlenaugen gefunden. Strahlenaugen werden aus Glasstäben erschmolzen. Sie sind eine Art Mosaikscheibe, die auf den Grundkörper aufgeschmolzen wird.
Zwei der Perlen sind von weißer Grundfarbe. Eine hat zwei blaue Augen, die gegenseitig platziert wurden. Sie datieren in das späte 9. Jhr. Die zweite ist eine halbe Perle, die noch ein Strahlenauge hat. Sie klare(!) und weiße Strahlen mit gelbem Auge. Die dritte Perle ist ein gequetscht kugelförmig blaue Perle mit weißen Augen mit blauen und weißen Strahlen.





Typ D: Mosaik Perlen
Nur eine von von den Perlen ist die „klassische Mosaikperle. Sie ist kugelförmig mit zwei Mustern. Eines mit grünen Streifen in einem unregelmäßigen Muster und das andere Muster mit einem Auge und Balken. Die Strahlen sind blau und weiß mit einer roten Mitte.

Typ E: Andere Glasperlen
Sechs der Glasperlen entsprechen nicht einer der bisher in der Archäologie definierten Form. Eine von ihnen ist eine Art Mosaikperle, aber sie ist Besonders in ihrer Erscheinung.
Sie ist zylindrisch und hat weiße und blaue Schleifen, dazu kleine gelbe Quadrate.
Eine weitere ist tonnenförmig, von gelber Grundfarbe mit einem blauen Band um den Äquator, um diesen finden sich Quadrate und Spirale.
Es folgt die Hälfte einer tonnenförmigen Perle mit rotem Grundkörper und zwei gelben Streifen über den Äquator. Charakteristisch für Gotland ist, das diese „Bänder“ aus einer Art Mosaik bestehen, und aus vielzähligen Spiralen zusammengesetzt ist.
Zuletzt das Fragment einer großen Perle in diesem Typ. Es hat einen durchscheinenden blau-grünen Grundkörper roten Fleck.

Die letzteren beiden Perlen sind zu zersetzt, als das sich SICHER eine Art der Verzierung bzw. Herstellung bestimmen lässt.

Typ Q: Bergkristallperlen
Bergkristallperlen sind für die Siedlung Birka nicht unüblich, in Västergard sind nur zwei Exemplare bekannt. Diese sind würfelförmig, sie treten in Skandinavien zwischen 915 - 980 AD auf.

Typ G: Karneolperlen
Karneol ist ein Halbedelstein, der aus dem Kaukasus und dem Nahen Osten stammt. In der Archäologie wird vermutet, dass diese Perlen ihren Ursprung in Indien und Iran haben. Sie haben wohl die gleiche Herkunft wie arabische importierte Silbermünzen. Die älteste Perle aus Karneol wird auf „um 700 n. Chr.“ datiert. Sie hat die Form und Größe einer Erbse.

Typ H: Bernsteinperlen
Bernstein ist natürlich in vielen Orten zu finden, es wird vermutet, dass er zum Hauptteil aus den südlichen Teilen der Ostsee und Baltikum stammt. Bernsteinperlen wurden von 2000 v. Chr. verwendet worden. In dem Fundmaterial, gibt es vier Bernsteinperlen. Zwei davon gedrückt kugelig, eine zylinder- und eine ringförmige.

Typ I: Knochen
Die neunzehn gefundenen Knochenperlen sind ring-, zylinder- oder bikonischer Form. Eine der Perlen ist hervorzuheben, da sie wie eine Hantel geformte und in der Mitte dreifach gerippt ist

Typ J: Metallperlen
Es wurden drei Perlen aus Metall gefunden: zwei aus Silber und Bronze. Detaillierte Beschreibungen liegen nicht vor (Anm. des Überstz., also mir)

Typ K: Jadeperlen
Jade gibt es an vielen Orte – für Schmuckqualität stammt dieser aber fast ohne Ausnahme aus Spanien oder England. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Jade bzw. eher der Schmuck, aus England importiert wurde. Die eine der Perlen ist kugelförmig, die andere tonnenförmig. Ähnliche Perlen dieser Form und aus Jade wurden in Varnhems Kloster gefunden, diese waren Bestandteil eines Rosenkranzens. (SHM 18393, Artikel 530918).

Typ l: Unbestimmte
Sechs Perlen waren aufgrund ihres Erhaltungszustandes nicht näher zu bestimmen (Material, Form, Verzierung).

Vergleich zu anderen Regionen und eine chronologische Beurteilung.
Für einen überregionalen Vergleich erscheint das Material von Västergarn grundsätzlich serh klein, aber die Perlentypen weisen durchaus eine chronologische Identität mit Funden aus Gotland, datierend auf 1000 bis 1100 nach Chr., auf.
Hervorzuheben sind die Funde der Perlen aus Knochen, die anscheinend, wie die zwei Jadeperlen, zu Rosenkränzen gehörten. Diese finden sich z.B. auch im christianisierten Fröjel, ebenfalls Gotland.

Wie sieht es aber im überregionalen Vergleich aus? Dazu helfen die folgenden Übersichten mit den Perlenfunden aus Birka, Lund sowie Gotland im Allgemeinen. Anm.: die Funde aus Birka und Gotlands datieren auf das 9. Bis 10. Jhr., Lund aus dem 10. Jhr. Diese zeitliche Differenz ergibt natürlich Abweichungen, die leider nicht detailliert berücksichtigt wurden, von mir auch nicht aufgearbeitet werden ;)

hier folgende die prozentuale Verteilung der Perltentypen




Fazit:
Kurz beurteilt unterscheidet sich das Fundmaterial von Vaestergarn nicht zu anderen Räumlichkeiten. Aber im Detail sieht das, wie zu erwarten, ganz anders aus. Typ C1 & C2 treten nur in Leksand, Sigtuna, Lund und Västergarn auf, nicht in Birka.
Diese Perlentypen sind vor allem für das 11. Jahrhundert charakteristisch, verstärkt nach 1050n. Chr.

Der Typ C8 (Perlen mit einer Bänderung in der Mitte) ist in Leksund und Gotland im allgemeinen stärker vertreten. Sie dienen als Leitperle für die Zeitstellung um 1.1100.
Leitperle bzw. Leittyp ist eine Bezeichnung, die besagt, „diese Perle passt in diese Zeit“.
Auffällig ist für Västergarn die große Anzahl an Knochenperlen. Sigtuna, Mittelschweden, weist auch eine höhere Zahl an Knochenperlen als andere Regionen auf, aber bei weitem nicht so viele. Als Begründung kann die spätere Einführung der Brandbestattung auf Gotland angeführt werden. Laut der Autorin handelt es sich bei den Knochenperlen um Perlen für Rosenkränze. Gotland wurde um 1.000 nach Christus christianisiert, die Brandbestattungen waren nicht mehr üblich. Ein Zeichen der Christianisierung(?). Somit können Perlen aus Knochen besser und vermehrt, erhalten bleiben.

Die Autorin geht im weiteren Text auf die Datierungsmöglichkeiten von Gebäuden und Siedlungsschichten über Glasperlen ein – das ist hingegen nicht das Interesse meiner Arbeit, daher hier in kurz: es funktioniert!

Fazit:
Es gibt Perlen auf Gotland, je nach Farbe und Form, die eine chronologische Zuordnung erlauben. Das Wichtigste ist hingegen, das die Glasperlen durch die Verwendung von Knochenperlen abgelöst wurden. Die regionalen Unterschiede, beurteilt am Fundmaterial, sind mininal, Västergarn weicht nicht so sehr von der Varianz der Perlen auf dem skandinavischem Festland ab (Norwegen nicht berücksichtigt).
Quelle:

Pärlor från Sigtuna: datering genom jämförande studier - Annika Toll

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