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Glasperlen im Südlichen Dänemark der Wikingerzeit

Das Gebiet und die Gräber
Im Bereich Süd-Dänemark (das ehemalige Herzogtum Schleswig, auch bekannt als Südjylland) wird durch die Flüsse Eider (Ejderen) im Süden und Kongea (Kongeåen, ) Norden begrenzt. Auch wenn sich weiter im Norden Dänemarks aus archäologischer Sicht keine Besonderheiten abzeichnen wurde die Kongea als Landschaftliche deutlich zu erkennenden Grenze gewählt.

Die Lage der Flüsse Kongea und Eider


Bildquelle: wikipedia.dk

Insgesamt wurden 96 Gräber entdeckt, wobei die Bestattungsplätze von Handelsplätzen, wie z.B. Haithabu, nicht berücksichtigt werden, da alleine Haithabu über 1100 Bestattungen auf weist.

Die Funde verteilen sich durch die Teilung der Landschaft auf die Staaten Dänemark und Deutschland auf die Museen der jeweiligen Staaten.

Anhand der Datierung der Beigaben lassen sich auch die Bestattungsarten datieren.

Chronologie der Bestattungssitten



Die Bestattungsarten
Die Bestattungsformen im wikingerzeitlichen Dänemark sind vielfältig und je nach Ort und Zeit sehr unterschiedlich - oder ähnlich. Zu den typischen Formen zählen
* Brandgrubengräber - urnenlose Bestattungen in Grubenform, die Grube wird später aufgefüllt.
* Brandschüttungsgrab - die Verbrennung findet an der Oberfläche statt, der Bestattungsplatz wird später aufgehäuft.
* Brandurnengräber - nach der Verbrennung werden alle Überreste aufgesammelt und in einem Ossarium bestattet (= Tongefäß). Nur selten finden sich Holzeimer, Holzkästen oder Metallgefäße
* Brandgräber treten häufig an der Ostküste auf, zum Teil scheint die Verbrennung in einem Sarg, Wagenkasten oder Boot stattgefunden zu haben.
* Erdgrab - die bestattete Person wurde ohne Umbau (aus Holz oder Steinen) in die Erde gelegt.
* Sarggrab – der Tote wird ein einem meist hölzernern Behältnis beigesetzt. Dies kann eine gezimmerter Sarg aber auch ein ausgehöhlter Baumstamm sowie eine Steinpackung sein.
* Kammergrab – um den Toten wird eine Kammer, zu meist aus Holz errichtet. Der Leichnam wird in der Regel in einem extra Sarg bestattet.

Brand[1]- und Körperbestattungen in Dänemark weisen, verglichen mit dem übrigen Skandinavien, keine nennenswerten Unterschiede in der Zahl der Beigaben auf. Nur wenn das Grab selber Prunkvoller (sei es Sarg- oder Kammergrab) ist, ist auch die Zahl und die Art der Beigaben reicher).

Aber auch die fortschreitende Christianisierung wird eine Änderung im Bestattungswesen verursacht haben.

Die ethnische Zugehörigkeit
Der Forschung nach teilt sich die Region in Völker. Entlang der Westküste siedelten Friesen, die im Laufe des 6. und 7. Jhrs. einwanderten und ihre Toten wie zu dieser zeit auch auf den Friesischen Inseln in Urnengräbern bestatteten.

Der Östliche Teil wurde von Dänen bevölkert, die ihre Toten ebenso verbrannten. Sie hinterlegten den Leichbrand jedoch in Hügeln. In beiden bereichen findet sich der Übergang zur Körperbestattung, bei den Friesen zum Anfang, bei den Dänen zum Ende des 9. Jhr.

Die Glasperlen in den Bestattungen zwischen Kongea und Eider
In 44 von 96 Gräbern fanden sich Glasperlen als Beigabe. Sicher den Bestattungen zu zuordnen sind nur noch die Perlen aus 36 Gräbern. 24 hiervon sind Brandbestattungen, zwölf sind Körperbestattungen. Nur als Anmerkung: in Haithbau fanden sich in 37 Gräbern 383 Perlen.[2]

Obwohl Glasperlen für Frauengräber eine charakteristische Beigaben sind und zahlenmäßig zu den am häufigsten anzutreffenden Funden zählen, sind sie hier in nur sehr geringer Zahl an zu treffen. In den Körpergräbern von einer bis zu 19 Perlen, in den Brandbestattungen maximal 13.

Der Großteil der Perlen ist aus Glas (144), aber es gibt auch Perlen aus Metall (Bronze, Silber, Gold; 6), Bergkristall (4), Bernstein (4) und Kalkstein (1). Damit sind Glasperlen am häufigsten vertreten (ca: 97%).

54 Glasperlen stammen aus Brandbestattungen. Diese Bestattungsart hat zur Folge das bei einem grossteil die Formen und Farben nicht mehr zu bestimmen sind.

Die Verteilung der Farben und Formen ist wie folgt:
Die ein- und mehrfarbigen Perlen sind bis auf fünf durchsichtige und neun durchsichtig- blau/grüne Perlen alle opak. Als Unikate können zwei mehrfarbige durchsichtige Perlen angesehen werden.
Es finden sich an opaken Perlen: gelb (9), orange (11), rot/rotbraun (32), grün (11), blau (18), schwarz (9) und weiß (9).
Bei den mehrfarbigen Perlen finden sich: schwarz (1), weiß (4), gelb (9), orange (1), rot (5), grün (3), blau (6).
Die Formen der Perlen sind für die Wikingerzeit charakteristisch. Sie reichen von scheiben-, ring-, tonnen- und kugelförmigen bis zu den geformten melonig gerippten, mehrfach segmentierten und polyedrischen Formen.
Auch wenn jede Bestattung einzeln inventarisiert ist, kann für keine Bestattung die Reihenfolge der Perlen bestimmt werden.
Auch eine einzelne chronologisieriung der Perlen ist nicht möglich, da die Perlentypen sowohl in der Älteren als Jüngeren Wikingerzeit zahlreich vertreten sind.

Die Verwendung der Glasperlen
Da die Bestattungen zu meist Brandbestattungen waren können kaum Aussagen über die Verwendung der Glasperlen getroffen werden. Erschwerend kommt hinzu, das keine Skelettreste oder Leichenschatten anzutreffen waren und so die Lage der Perlen nur vermutet werden kann (Kosel Kammergrab 2, Tumby-Bielenbeck Grab 21, 54, 66 und 68).

Es sind im ganzen Untersuchungsgebiet nur fünf gräber, die nähere Angaben zur Lage der Perlen haben:
- Ketting Grab 3: fünf Perlen lagen bei einem Gefäß in der Ecke. Sie sind als Beigabe anzusprechen.
- Böklund, ein Grab von der Grabung von 1908: 19 Perlen bei einem Stein nebst den Beschlägen einer Kiste. Sie sind als Beigabe anzusprechen.
- Kosel, Skelettgrab 13: fünf Perlen im Nordteil des Grabes einer Säuglingsbestattung. Da sie abseits des Kinderskelettes angetroffen worden sind die Perlen als Beigabe anzusprechen.
- Tumby - Bielenbek, Grab 7: neun Perlen im Halsbereich, mit Sicherheit als Halskette verwendet.
- Ribe, Rosenalle Grab 10: 19 Perlen im Halsbereich, mit Sicherheit als Halskette verwendet.

Die Glasperlen in den Männerbestattungen zwischen Kongea und Eider
Nur in einem einem Männergrab wurde eine unbestimmbare Perle (Zerstörung durch Brandbestattung) angetroffen. Die Geschlechtsbestimmung erfolgte durch eine anthropologische Bestimmung der Skelettreste. In acht weiteren Bestattungen war nur eine Perle anzutreffen, eine Geschlechtsbestimmung jedoch nicht möglich.

Fazit:
Aufgrund der Lage des Untersuchungsgebietes und der Brandbestattungssitte geben die Gräber nur wenig Auskunft über die Art und Verwendung der Glasperlen.

Sicher ist das die Perlen in geringer Zahl in Männerbestattungen auftreten, die Frauen die Glasperlen nachweisbar als Halskette getragen haben. Ob die Perlen auch als Fibelkette getragen wurden ist nicht überprüfbar, da der Hauptteil der Bestattungen keine Untersuchung zu lässt. Die Perlen in den Gräbern sind des weiteren wesentlich einfacher und seltener als in den Siedlungsfunden von Haithabu anzutreffen. Die Ursachen hierfür (Krieg und Wertschätzung) sind jedoch nur spekulativ.

[1]In der Archäologie wird oft der Begrifft "Glasschmelz" verwendet, aber ist das wirklich der Rest von Perlen aufgrund einer Brandbestattung? Das Problem der frühtmittelalterlichen Brandbestattung ist die Verbrennungstemperatur von 800 bis 1000°. Die Sintertemperatur von Knochen (1630°C) wird nicht erreicht. Flussmittel, wie z.B. Holzasche kann die Sintertemperatur jedoch auf 1000° senken. Der Knochen erhält eine glasige Form mit Hohlräumen, und wird von Ausgräbern oft als "Glasschmelz" angesprochen. Zerstoßen und im Grab verteilt ist eine Beurteilung ob es sich um Reste von Perlen oder gesinterte Knochen handelt nur durch einen Dünnschliff handelt. Des weiteren kann es sich bei "Glasschmelz" auch um geschmolzenen Sand handeln.
[2] Quelle: Arents, 1995, S. 142. Diese Dissertation soll 2010 gedruckt werden, dann mehr zum Thema Haithabu.

Literatur:
Eisenschmidt, Silke: Grabfunde des 8. bis 11. Jahrhunderts zwischen Kongea und Eider: Zur Bestattungssitte der Wikingerzeit im südlichen Altdänemark. Studien zur Siedlungsge-schichte und Archäologie der Ostseegebiete 5 (Neumünster 2004). Prähistorische Zeit-schrift 80, 2005

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